Blog: KI in der Erwachsenenbildung

Das große Verschwinden der kleinen Aufgaben

Veröffentlicht am 17.06.26

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Beratungsagenturen in der Erwachsenenbildung begleiten wir Unternehmen, die spüren, dass Grundsätzliches in Bewegung geraten ist. Viele fragen sich, welchen Platz ihre Angebote in diesen Umbruchszeiten noch haben. Aus unserer Persepktive eine unnötige Sorge, denn für Expertinnen und Experten des Lernens gibt es mehr denn je zu tun.

In der gesellschaftlichen Debatte über KI richten wir den Blick meist auf das, was hinzukommt. Lassen Sie uns auf das blicken, was gerade verschwindet.

In vielen Betrieben hat dieses Verschwinden längst begonnen. Eine erfahrene Fachkraft braucht eine Vorlage, eine Auswertung, eine erste Recherche. Vor wenigen Jahren wäre eine solche Aufgabe an die Assistenz übergeben worden, an die Berufseinsteigerin im zweiten Jahr, an jemanden, der noch lernt. Heute öffnet die Fachkraft selbst ein KI-Tool und erledigt es im Vorbeigehen. Warum auch nicht?

Der Haken liegt darin, dass in diesen unscheinbaren Aufgaben mehr steckt, als man ihnen ansieht. Wer Vorlagen baut, lernt, worauf es ankommt. Wer erste Entwürfe schreibt, beginnt Muster zu erkennen. Wer sich durch einfache Fälle arbeitet, entwickelt ein Gespür für Sprache, für Kunden, für die feinen entscheidenden Warnhinweise, dass Dinge beginnen, aus dem Ruder zu laufen.

Dies ist der Rohstoff, aus dem berufliches Urteilsvermögen entsteht.

Ein Handwerk lernt man nicht, indem man darüber spricht, sondern indem man mitläuft, danebenliegt, korrigiert wird und es beim nächsten Mal besser macht. Vieles davon geschieht erst im Anschluss an die Ausbildung oder an das Studium, nämlich im betrieblichen Alltag, zwischen Rückfrage, Entwurf und Kaffeetasse. Genau dort, im scheinbar Nebensächlichen, wächst berufliche Souveränität.

Übernimmt die KI diese kleinen Schritte oder wandern diese zur ohnehin erfahrenen Fachkraft zurück, dann fällt nicht nur eine ganze Lernstrecke weg, sondern auch die dazugehörige Kommunikation. 

Nicht schlagartig, noch nicht überall, und leise genug, dass kaum jemand den Verlust bemerkt. Aber das große Verschwinden hat begonnen.

Wenn Erfahrungsräume, in denen Menschen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und deren Folgen erleben, nicht mehr selbstverständlich entstehen, müssen wir genauer hinsehen, wo sie fehlen und wo sie neu geschaffen werden können.

Das betrifft nicht nur Schule, Ausbildung oder Beruf, sondern auch Erwachsenenbildung, Vereine, Ehrenamt und andere zivilgesellschaftliche Räume.

Lernen in einer KI-geprägten Zeit endet nicht dort, wo jemand einen Prompt schreibt oder ein Tool bedient. KI öffnet größere Veränderungsräume. Sie verschiebt Aufgaben, Rollen, Abläufe und Erwartungen weit über das Digitale hinaus.

Erwachsenenbildung wird daher mehr denn je gebraucht. Nicht weil sie nun auch KI erklären muss, sondern weil sie darüberhinaus weiterhin Expertin für das bleibt, was durch KI nicht weniger wird: das Lernen, der Aufbau von Erfahrung und Handlungssicherheit.

Erwachsenenbildung muss nicht um ihren Platz bangen.
Sie muss ihn nur klar benennen.

Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.

Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu und Dase & Carstensen

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Den vollständigen Infobrief zu KI für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung finden Sie hier.

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