Blog: KI in der Erwachsenenbildung

Der Browser oder: Als wir alle noch dasselbe sahen

Veröffentlicht am 29.07.26

Liebe Leserin, lieber Leser,

irgendwann haben Sie angefangen, online einzukaufen. Irgendwann haben Sie Bewertungen gelesen, bevor Sie ein Hotel buchen, und irgendwann hat es Sie nicht mehr gewundert, dass ein Unternehmen ohne Filiale und ohne Öffnungszeiten funktioniert. Wann das war, können Sie vermutlich nicht sagen.

Einen Kurs zum Thema “Internetnutzung” haben Sie dafür vermutlich nicht besucht. Jede einzelne Neuerung war klein genug, um sie im Vorbeigehen mitzunehmen. Wir mussten uns nicht umstellen. Wir haben uns angepasst, nach und nach, im Tun.

Das ist die unterschätzte Leistung des Browsers. Er war unser gemeinsamer Ausgangspunkt in der Digitalisierung. Handel, Musik, Medien, Reisen, ganze Geschäftsmodelle – was sich im Internet veränderte, sahen wir alle durch dasselbe Fenster.

Und weil wir es gemeinsam taten, konnten wir uns gemeinsam darüber austauschen.

Bei KI ist beides nicht mehr der Fall.

Erstens: Wir schauen nicht mehr alle durch dasselbe Fenster.

Beim Browser war es gleichgültig, für welchen Sie sich entschieden haben. Firefox, Safari, Chrome – dahinter lag dasselbe Internet. Das Fenster war austauschbar, der Blick war derselbe.

Bei KI ist es anders: Hinter jedem Fenster liegt etwas anderes.

Wer eines der aktuellen Spitzenmodelle als Desktop-App nutzt – in der Bezahlversion, mit datengeschütztem Zugriff auf eigene Dateien, angebundenen Werkzeugen und Agentenfunktionen –, sieht etwas anderes als derjenige, der die kostenlose Variante eines kleineren Modells im Browser öffnet. Die eine Person erlebt ein System, das mehrschrittig und zuverlässig an einer komplexen Aufgabe arbeitet und beeindruckende Ergebnisse mit dem Workload mehrerer Stunden oder Tage liefert. Die andere erlebt einen Chatbot, der Social-Media-Texte formuliert und gelegentlich danebenliegt.

Zweitens: Die Taktung ist eine andere.

Das Internet von 1995 bestand aus Textseiten, die man las. Zehn Jahre später waren Handel, Plattformen und Video dazugekommen. Wieder zehn Jahre später hatten Smartphone und soziale Netzwerke ganze Branchen umgebaut. Jede dieser Etappen brachte neue Akteure, neue Geschäftsmodelle und neue Fragen für die Bildung mit sich. Niemand wäre auf die Idee gekommen, das Thema digitale Transformation nach einem eintägigen Einführungsworkshop für erledigt zu halten.

Bei der KI-getriebenen Transformation sind die soziokulturellen und ökonomischen Veränderungen bereits im Gange. Sie verteilen sich nicht mehr auf Jahrzehnte, sondern auf Jahre.

Der Browser hat uns die Veränderung noch frei Haus geliefert. Diese Arbeit macht heute niemand mehr für uns. Diese Arbeit muss organisiert werden.

Das heißt zuerst: hinsehen, und zwar genau. Durch welches Fenster schauen wir selbst? Und durch welches schauen die anderen – die Kolleginnen und Kollegen im eigenen Team, die Leitung, die Häuser, mit denen wir kooperieren, die Fachcommunity, in der wir uns über KI verständigen?

Sprechen wir noch über dasselbe, wenn wir KI sagen?

Und es heißt: dranbleiben. KI ist nichts, was man sich einmal erschließt, sondern ein Querschnittsthema, das nicht nur auf Technologie, sondern auch auf Ihre Fähigkeit zur Veränderung zielt. Wer testet bei Ihnen regelmäßig Neuerungen und darf dafür Arbeitszeit verwenden? Wo landen diese Erfahrungen, damit sie nicht bei Einzelnen versickern? Und was ist der Kern Ihres Hauses, der bestehen bleiben muss, wenn sich alles andere verändert?

Bei der Entdeckung des Internets hat uns der Browser den gemeinsamen Blick ermöglicht.

In Zeiten generativer KI muss ihn jede Organisation immer wieder selbst herstellen.

Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung. Zum Beispiel am 10. und 11.09. zu KI für Führungskräfte in Bielefeld oder im Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung am bifeb

51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu und Dase & Carstensen

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Den vollständigen Infobrief zu KI für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung finden Sie hier.

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