Blog: KI in der Erwachsenenbildung

Generative KI in der Arbeitswelt

Veröffentlicht am 25.02.26

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Führungskräfte in der Erwachsenenbildung berührt uns das Thema „KI in der Arbeitswelt“ gleich doppelt: nach innen – in unsere Organisationen, in denen wir Tempo, Richtung und Kultur der Transformation mitgestalten müssen. Und nach außen mit unserem Geschäftsmodell, nämlich als Bildungsanbieter Menschen dabei zu begleiten, sich in einer zunehmend KI-geprägten Lebens- und Arbeitswelt sicher, wirksam und selbstbestimmt zu bewegen.

Dabei bewegen wir uns auf einem Spielfeld, das sich während des Spiels verschiebt – Linien, Regeln, Rollen: alles in Bewegung. Manchmal sind wir nicht einmal sicher, ob wir wirklich alle dasselbe Spiel spielen. Und selbst wenn, spielen wir es in sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Zwischen „Wir testen gerade erste Tools“ und „KI ist längst Teil unserer Wertschöpfung“ liegen heute nicht Jahre, sondern oft nur Teams oder sogar einzelne Personen.

Darum der Versuch einer Standortbeschreibung. Für den Moment.

Was wissen wir aktuell über KI und Arbeitswelt und was folgt daraus für unsere beiden Rollen nach innen und außen?

Erstens: Wir reden oft über KI, meinen aber Verschiedenes.
Für viele ist die Unterscheidung zwischen „klassischer KI“ und „generativer KI“ immer noch unscharf. Das klingt nach einem Detail, ist aber in der Praxis teuer: Wenn wir beides in einen Topf werfen, entstehen Lösungen, die technisch nicht passen, Fehler produzieren oder Erwartungen wecken, die das System gar nicht erfüllen kann. Problematisch wird es dort, wo man nach großen technischen Lösungen sucht. Erwachsenenbildung ist selten dafür aufgestellt, dafür geeignete Partner zu identifizieren, geschweige denn bezahlen zu können. Der Markt der Ich-baue-Deinen-Firmen-Chatbot-Anbieter erinnert noch spürbar an Corona-Testzentren.

Zweitens: Schatten-KI bleibt ein Führungsthema
Viele Einrichtungen haben inzwischen professionelle Antworten gefunden: Sie nutzen leistungsstarke, digital souveräne und datenschutzkonforme KI-Systeme, mit der Freiheit, Anbieter zu wechseln, ohne die eigene IT jedes Mal neu aufzusetzen und dennoch preisgünstig.

Parallel gibt es aber weiterhin zwei riskante Gegenpole: Einrichtungen, die KI komplett ignorieren und solche, die auf selbstgebaute Inhouse-Lösungen setzen, die mit dem Tempo und der Leistungsfähigkeit aktueller Modelle nicht Schritt halten können. In beiden Fällen entsteht ein ähnlicher Effekt: Beschäftigte schaffen Fakten und greifen zu privaten Accounts. Das ist verständlich, aber heikel, weil mit den nationalen Umsetzungen des EU AI Acts sich zunehmend auch Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen schärfen, die am Ende im Management landen können.

Drittens: Die größte Herausforderung ist nicht das Tool, es ist das Team.
Wir erleben drei Gruppen, oft gleichzeitig:

  • Menschen, die sich weigern, sich mit KI zu beschäftigen.
  • Menschen, die ein bisschen chatten und prompten können, sich aber nicht ausreichend mit den Basiskompetenzen beschäftigt haben
  • Poweruser, die längst weitergezogen sind

So wird KI zum „Einzelding“ statt zu einer Team-Leistung. Und genau das ist für uns als Führungskräfte wie auch als Bildungsanbieter der neuralgische Punkt: Transformation gelingt nicht über einzelne Leuchttürme, sondern nur gemeinsam und kompetent.

Viertens: Kompetenzmodelle hinken hinterher
Was vielerorts noch fehlt, sind relevante, arbeitsmarktscharf formulierte Kompetenzbeschreibungen, die über Buzzword-Tabellen hinausgehen. Wer Stellen mit KI-Fähigkeiten ausschreibt oder eigene Weiterbildungsangebote formulieren möchte, dem fehlt aktuell noch ein belastbares Raster, um Anforderungen und Lernziele zu operationalisieren.

Fünftens: Die Transformation endet nicht beim Chatbot.
Wer KI auf ein bisschen Prompting und Chatbots reduziert, verpasst das Wesentliche. Der nächste Sprung bleibt nicht im Chatfenster. Agentische Systeme, die Aufgabenketten selbstständig planen und ausführen, Vibe Coding sowie Embodied/physikalische KI, die in reale Umgebungen hineinwirkt, verschieben die Spielregeln noch einmal. Wer heute nur über „Chatbot-Einsatz“ spricht, riskiert, von Entwicklungen überholt zu werden.

KI verändert die Grundannahmen unserer Angebote. Wenn Vibe Coding Tabellen, Formeln und Auswertungen mit einem Satz erzeugt, was ist dann der Kern einer Excel-Schulung? Wenn der Babelfish praktisch schon im Ohr steckt, was ist dann der Kern von Fremdsprachenlernen?

Für Führungskräfte heißt das: nicht in Hektik verfallen, aber aktiv gestalten. AI-Literacy wird Pflichtprogramm, nicht Kür.

Sechstens: KI darf nicht zur Arbeitsverdichtung führen
Was derzeit vielerorts passiert, ist paradox: KI wird zwar eingeführt, aber nicht als neue Basis der Wertschöpfung gedacht, sondern „on top“ auf bestehende Prozesse gesetzt. Statt Aufgaben wirklich zu ersetzen, wird KI oft genutzt, um zusätzlich mehr Output zu erzeugen, d.h. mehr Varianten, mehr Geschwindigkeit, mehr Erwartungen. Das entlastet Menschen nicht, sondern verdichtet Arbeit und verhindert, am Ball bleiben zu können.

Wenn KI wirken soll, braucht es deshalb nicht nur Tool-Einführung, sondern konsequente Prozess- und Prioritätenarbeit: Was hören wir auf zu tun? Was vereinfachen wir radikal? Welche Qualitätsansprüche passen wir an? Entlastung entsteht nicht automatisch durch Technologie, sie entsteht durch Entscheidungen. Und diese Entscheidungen sind Führungsaufgabe.

Wir begleiten Sie dabei mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.

David Röthler, Sonya Dase und Christiane Carstensen
von Milenu und Dase & Carstensen

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Den vollständigen Infobrief zu KI für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung finden Sie hier.

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