Lernen, Sprache und KI - 05/2026
Mai-Ausgabe 2026
Liebe Leserin,
Lieber Leser,
es ist Ihnen sicherlich nicht entgangen, dass wir bei aller Freude am Neuen auch Verfechterinnen von Routinen sind. Oder müssten wir anders formulieren? Wir sind Verfechterinnen von Routinen, weil wir so viel Freude am Neuen haben.
In unseren Vorträgen, Beratungen und Workshops sind wir mit unserem Blick auf Routinen oft etwas einsam, denn um uns herum wird das Abgeben aller Routinearbeiten an generative KI als Effizienzgewinn gefeiert. Als Effizienzgewinn, der zudem als Qualitätsindikator verstanden wird.
Aus diesem Grund freuen wir uns ganz besonders, dass die aktuelle Ausgabe (Nr. 22) der "Wirtschaftswoche" in der Titelgeschichte "Der Trainingsplan fürs KI-Zeitalter" den Routinen, dem Präsenzraum und der Zusammenarbeit mit erfahrenen Kollegen eine entscheidende Bedeutung zuschreibt: Neugierige, leistungsbereite Novizen lernen am besten mit und von Experten. Der Artikel betont, dass wir nur beim Erledigen von Routineaufgaben das Wissen und die Erfahrungen erwerben, die wir für berufliche Handlungssicherheit benötigen. Wer Gespräche erfahrener Kolleginnen miterlebt – und dabei Bestimmtes protokolliert –, kann gerade durch die gelenkte Beobachtung lernen.
Lernen durch Beobachten ist deshalb so wertvoll, weil nur die Wiederholung es möglich macht, so viele Momentaufnahmen übereinanderzulegen, dass ein Muster erkennbar wird. Im letzten Newsletter hatten wir Matt Beane zitiert, der vor der Gefahr des "Snapshottings" warnt – eben der Gefahr, von einer einzigen Momentaufnahme (bei der Wesentliches möglicherweise gar nicht abgebildet ist) Schlussfolgerungen abzuleiten.
Die Lerngelegenheiten liegen aber nicht nur in Routine- und Assistenztätigkeiten, sondern auch in der Nachbesprechung: "Sonst bietest du Kunden in vergleichbaren Situationen immer X an. Heute hast du Y gemacht. Wo ist der Unterschied?" Die Frage nach dem Unterschied – der einen Person fällt er sofort ins Auge, die andere kann ihn noch gar nicht fassen – ist ein Schatz für beide Gesprächspartner. Deshalb ist das Sprechen über die Arbeit sowohl für Berufsanfänger als auch für Erfahrene eine Entwicklungsmöglichkeit.
Wenn wir als Sprachcoaches Onboarding-Prozesse begleiten, spielt das Thema "Fragen stellen" oft eine zentrale Rolle. "Fragen dürfen nicht mehr wie Fragen aussehen", fasst ein Ingenieur, den wir begleitet haben, für sich zusammen. "Als ich nach Deutschland kam, habe ich immer um Erlaubnis gefragt. Heute weiß ich, dass: 'Was soll ich tun?' hier keine gute Frage ist. Im Coaching habe ich gelernt, meine Fragen geschickt zu verstecken. Jetzt sage ich: 'Ich habe drei Optionen: A, B und C. Ich halte B für die beste. Habe ich irgendetwas übersehen?' – Ich fühle mich nicht nur viel sicherer, jetzt kommt mein Chef auch immer häufiger mit seinen Fragen zu mir."
In dieser Doppelausgabe unseres Newsletters lesen Sie, was uns sonst noch im Themenfeld "Coaching, Lernen & KI" beschäftigt.
Wie immer wünschen wir Ihnen viel Freude bei der Lektüre.
Mit besten Grüßen
Christiane Carstensen & Dr. Sonya Dase

KI & Lernen
In einer von KI geprägten Welt verändern sich die Anforderungen an nahezu jeden Beruf. Und mit den Verschiebungen von Jobprofilen gehen auch Veränderungen bei den Bewerbungsverfahren einher. Was bedeutet das für Bewerber, für Unternehmen, für Bildungsträger, für Trainer und Coaches?
In einem Impulsvortrag am 11. Juni (online, 18.00–19.00 Uhr) schauen wir unter dem Titel "Bewerbungsverfahren in Zeiten von KI" auf die aktuelle Praxis in Deutschland, auf Trends in anderen Branchen und Ländern und nehmen uns Zeit für Ihre Beobachtungen und Fragen.
Hier können Sie sich Ihren Platz sichern: Registrierung

Sprachcoaching
„Es ist ein passendes Instrument mit unpassendem Namen“ – so hatten Anne Sass, Susanne Oberdrevermann und Sonya Dase Ende 2023 dem Carl-Auer-Verlag das Vorhaben angekündigt, über "Sprachcoaching" zu schreiben.
Nun lautet der Titel des Buches, das im November 2026 erscheinen wird: "Coaching in der Zuwanderungs-gesellschaft". Möchten Sie mehr über den einen Augenblick erfahren, als die Idee zum Buch entstanden ist?
Und sind auch Sie neugierig auf die Diskussionen rund um das Wort „Sprachcoaching“?
Wollen Sie mehr über den Schreibprozess im Autorinnen-Team erfahren?
Vielleicht haben Sie aber noch ganz andere Fragen!
Dann seien Sie dabei, wenn die drei am 15. Juni 2026 von 18.30 bis 19.30 Uhr (online) über die „Geschichte hinter dem Buch“ berichten. Selbstverständlich verraten sie bei der Gelegenheit auch schon etwas mehr über das, was Sie im Buch alles erwartet.
Registrierung

Dase & Carstensen unterwegs
Von der Re:publica 2026 werden wir noch lange zehren: Die Fülle und Qualität der Sessions war faszinierend, die Organisation des Ganzen beeindruckend. – Wenn wir hier unsere persönlichen Hightlights vorstellen, dürfen wir eines nicht vergessen: Auch wenn wir 3 Tage von morgens bis abends dabei waren, so haben wir doch das meiste, das stattgefunden hat, nicht erlebt!
Christiane Carstensen: "Einer meiner Favorit war der Vortrag von Karine Gromada über 'Deep Learning vs. Non-deep Thinking'. Ein Plädoyer für die Reibung und das wichtige Wort 'hääää?'."
Hier geht's zur Aufzeichnung: Link
Sonya Dase: "Alle Vorträge konnten wir über eine App direkt auf 'die Ohren' bekommen. Das hat das Ganze sehr entspannt – wer keinen Platz mehr im Saal bekommen hatte, konnte draußen in der Sonne sitzen und trotzdem jedes Wort hören.
Und ich konnte am Mittwoch auf der Rückreise im ICE sitzen und noch den großartigen Vortrag von Gabriel Yoran über die "Entkrempelung' der Welt erleben."

Unser Lese-, Hör- oder Veranstaltungstipp
„Wie wir verlernten zuzuhören – Ein Brief aus dem Jahr 2030“
Das KI-Logbuch von Arno Selhorst, veröffentlicht am 20. Mai 2026 auf LinkedIn, erinnert an eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir für ein gesundes Leben benötigen.
Der Artikel lädt auch dazu ein, sich mehr mit dem Begriff des „Social deskilling“ zu beschäftigen und darüber nachzudenken, was wir in unseren Workshops, Schulungen und Kursen wirklich lernen und üben sollten.
Hier geht's zum Beitrag: Link

Das passt in keine Rubrik
In einer von KI geprägten Welt verändert sich ganz besonders die Geschäftsmodelle von Bildungs- und Qualifizierungsträgern sowie Sprachschulen.
Doch gerade kleinen und mittleren Unternehmen fehlen oft die Ressourcen, um sich in Phasen der Veränderung gut bzw. neu aufzustellen.
Wir begleiten Unternehmen nicht nur auf diesem Weg, unsere Kunden können unter bestimmten Bedingungen bis zu 80% der Beratungssumme zurückerstattet bekommen.
Gerne informieren wir Sie über Ihre Möglichkeiten und freuen uns, Sie auf Ihrem Weg begleiten zu dürfen!
Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch: info@bildungs.consulting
Unser Newsletter für Sprachlehrkräfte und Sprachcoaches erscheint monatlich, auch auf LinkedIn.
Die Bilder dieses Newsletters
Was haben alle Bilder dieses Newsletters gemeinsam?
Sie alle schmücken nicht das Cover des Buches "Coaching in der Zuwanderungsgesellschaft". Doch sie sind alles andere als Ausschuss.
Da die Autorinnen sich gemeinsam für eines aus einer breiten Auswahl von ca. 20 Bildern entscheiden mussten, erhalten die "individuellen Favoriten" an dieser Stelle ihre 15 Sekunden Aufmerksamkeit. Jedes dieser Bilder war für eine der Autorinnen eine "erste Wahl".
Der Grundprompt: A narrow horizontal abstract [watercolor/oil/ acryl painting] with luminous, highly saturated colors appearing as irregular blotches and splashes rather than stripes. The colors—vivid red, cobalt blue, bright yellow, emerald green, and magenta—are applied loosely, forming organic shapes and soft-edged patches. The watercolor is wet and fluid, with translucent layers spreading across the surface. From these blotches, the pigment flows downward in wide, soft washes, creating vertical drips and gentle streams. Colors bleed into each other where they meet, forming smooth gradients, subtle transitions, and natural mixing. Edges are soft, with visible water diffusion, blooms, and backruns. The overall effect is airy, fluid, and expressive, as if the paint is still wet and actively spreading on textured paper. No objects, no text, focus on color flow, transparency, and organic shapes
Die genutzten Modelle
Titelbild: Flux schnell
KI & Lernen: Flux schnell
Sprachcoaching: Flux schnell
Dase & Carstensen unterwegs: SDXL 1.0, Voreinstellung "abstract curves"
Unser Lese-, Hör- oder Veranstaltungstipp: Flux schnell
Das passt in keine Rubrik: Dreamshaper XL Lightning