Blog: KI in der Erwachsenenbildung

Viel Stress und Aufwand, kein Gewinn, wenn man zu wenig oder genau das Falsche auslagert

Veröffentlicht am 22.04.26

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Menschen spüren 2026 sehr deutlich, dass sie mit KI nicht so arbeiten können, wie sie es sich erhofft hatten. Sie investieren Zeit, besuchen Fortbildungen, probieren Tools aus, sammeln Anwendungsfälle und merken am Ende, dass sie zwar beschäftigt sind, aber nicht wirklich weiterkommen. Die Arbeit wird mühsamer, nicht leichter; die Ergebnisse muss man permanent überarbeiten; und die eigene Erschöpfung wächst schneller als der Nutzen.

Wang und Zhang haben dazu gerade eine Studie veröffentlicht, die international große Aufmerksamkeit erhält. Sie untersuchten über drei Kontinente hinweg, wie Menschen KI tatsächlich nutzen und welche Wirkung diese Nutzung auf Lernprozesse, Ergebnisqualität und kognitive Belastung hat.

Wang und Zhang identifizierten dabei drei Zonen des KI‑Einsatzes.

Zone 1 ist das Arbeiten ohne KI. Es kostet Zeit und Konzentration, aber es ist stabil. Man weiß, worauf man sich verlassen kann.

Zone 2 beschreibt die Nutzung von KI in kleinen, isolierten Schritten: ein Bild, eine Präsentation, eine schnelle Zusammenfassung, ein Arbeitsblatt. Es fühlt sich nach KI‑Arbeit an, ist aber kein Fortschritt. Menschen müssen ständig überprüfen, nachjustieren, gegenlesen. Die Ergebnisse werden messbar schlechter als in Zone 1. Die kognitive Belastung steigt, weil KI kein Entlastungsfaktor wird, sondern ein zusätzlicher. Je länger man in Zone 2 arbeitet, desto weniger Ressourcen bleiben für Orientierung oder die eigene Weiterentwicklung. Zone 2 erschöpft und verschlechtert, ohne Entwicklungsschub.

Wir denken oft, wir müssten uns entscheiden: Entweder wir lagern viel an KI aus oder wir bleiben kritisch. Wang und Zhang zeigen in ihrer Studie, dass dieser Gegensatz so nicht existiert. Kritisches Arbeiten entsteht nicht trotz Delegation, sondern durch Delegation. Nur wer Aufgaben kompetent und in ausreichendem Umfang abgibt, kommt überhaupt erst in die Reflexion.

Zone 2 erweist sich genau deshalb als Sackgasse: Man will sich entlasten und lagert zu wenig beziehungsweise genau das Falsche aus. Und dabei erfolgt die Delegation so unstrukturiert, dass auch noch das kritische Denken auf der Strecke bleibt.

Die Menschen, die zu uns kommen, erleben Zone 2 schmerzhaft. Sie merken, dass ihre Arbeit mit KI klemmt, dass sie ständig beschäftigt sind, ohne voranzukommen, dass die Ergebnisse nicht tragen. Viele kommen genau deshalb zu uns, weil sie denken: „Es muss doch einen anderen Weg geben.“ Und sie ahnen, dass wir anders arbeiten.

In Zone 3 übernimmt KI ganze Arbeitsblöcke: Informationen sortieren, Material aufbereiten, Dokumente auslesen, Zusammenhänge strukturieren. Entlastung entsteht nicht durch „mehr KI“, sondern durch informierten, gezielten Einsatz. Erst dadurch verbessert sich die Qualität spürbar; und gleichzeitig sinkt die Belastung. Wenn ich weiß, wie KI arbeitet, wo Schwächen und Stärken liegen, kann ich gezielt abgeben.

Zone 3 folgt nicht einfach automatisch auf Zone 2, sondern setzt eine andere Arbeitsweise voraus. Häufig erreicht man Zone 3 erst, wenn man zurück zu den Anfängen geht. Das gilt selbst für Menschen, die mehrfach täglicher KI nutzen, aber denen trotz vieler KI-Fortbildungen die Basics fehlen.

Zone 3 setzt voraus, dass wir wissen, wie generative KI Texte erzeugt, auf welchem Trainingsmaterial sie basiert, welche Daten darin enthalten sind und welche fehlen. Man sollte die Multimodalität dieser Modelle einordnen können und verstehen, wie gKI Sprache, Bildern, Tabellen oder Dateien verarbeitet. Ebenso wichtig ist das Wissen, wie KI Inhalte aus Dokumenten ausliest, welche Dateiformate sie gut verarbeitet, welche nur eingeschränkt und welche Strukturen für sie sichtbar oder unsichtbar bleiben. Dazu gehört auch das Verständnis, wie Modelle intern entscheiden, wo sie stabil sind, wo sie unsicher werden und sich in Verarbeitungstiefe und Verlässlichkeit unterscheiden.

Dieses Wissen ist unsere Ausgangsbasis. Ohne dieses Fundament wird KI zum zusätzlichen Thema, das Ressourcen frisst. Wer aber auf diesem Fundament aufsetzt, erhält Unterstützung, die Ressourcen freisetzt.

Ein Bild macht das greifbar: Ohne AI‑Literacy arbeitet man mit KI wie mit einer großen Gruppe von energiegeladenen, nimmermüden Praktikantinnen und Praktikanten, die alle unbedingt helfen wollen, aber dabei nicht wissen, wo und für wen sie arbeiten. Man verbringt mehr Zeit mit Kontrolle als mit Arbeit.

Mit AI‑Literacy dagegen arbeitet man eher wie mit einer verlässlichen Büroleitung, die Aufgaben sortiert, Prioritäten setzt, das eine wegdelegiert, das andere so zuarbeitet, dass man an den richtigen Stellen selbst einsteigen kann.

Zone 2 wird mit jeder neuen KI-Generation unübersichtlicher: “Oje, noch mehr neue Praktikanten!” – Wer dagegen die Basics verinnerlicht hat, erlebt KI‑Entwicklung nicht als Überforderung, sondern als Entlastung. “Ich arbeite mit meiner Büroleitung zusammen.” Sie haben ein Gefüge, in das sie entspannt Neues einordnen können, statt vom Neuen überrollt zu werden.

Der Weg in Zone 3 ist überraschend simpel. Meist reichen zwei bis drei Stunden. Sobald die Basics klar sind, fügt sich vieles, was man bereits mitbringt, fast von selbst: Das Wissen und die Erfahrung sortieren sich, bekommen eine Einordnung, fällt an seinen Platz. Viel mehr braucht es oft gar nicht. Doch wenn genau diese Grundlage fehlt, wird alles schwerer, als es sein müsste.

Und dabei geht es nicht um die zehnte Erklärung des Turing-Tests, sondern um eine Einordnung, die sich für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung erschließt und ihre tatsächliche Praxis berührt.

Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie in diesem Prozess mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.

Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu und Dase & Carstensen

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Den vollständigen Infobrief zu KI für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung finden Sie hier.

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