Wann sind wir mit KI besser als die KI allein?
Veröffentlicht am 12.08.26
Liebe Leserin, lieber Leser,
wie schade! Die Studie klang so spannend: KPMG und McCombs School of Business der University of Texas at Austin wollten wissen, wie gut 523 Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger typische Aufgaben aus ihrem Arbeitsalltag mithilfe von KI lösen. Als Vergleich ließen die Forschenden dieselben Aufgaben zunächst von einem KI-Agenten allein bearbeiten. Diese Ergebnisse dienten anschließend als Maßstab.
Das Resultat überraschte: Gut die Hälfte der Teilnehmenden erzielte mit Unterstützung der KI bessere Ergebnisse als der KI-Agent allein. Rund ein Viertel erreichte ein ähnliches Niveau. Das übrige Viertel schnitt schlechter ab.
Naheliegend wäre nun die Vermutung, dass sich die Unterschiede durch Fachwissen, kritisches Denken oder Erfahrung im Umgang mit KI erklären lassen. Genau diese Fähigkeiten hatten die Forschenden vorab getestet. Doch hier zeigte sich kaum ein Unterschied zwischen der stärksten und der schwächsten Gruppe. Auf dem Papier brachten beide nahezu dieselben Voraussetzungen mit. Bei der eigentlichen Aufgabe lagen ihre Ergebnisse trotzdem weit auseinander.
Offenbar gibt es also noch etwas anderes: etwas, von dem es abhängt, wie gut Menschen mit KI arbeiten; etwas, das die bisherigen Tests aber noch nicht erfassen.
Und genau das machte die Studie für uns zunächst so interessant: Worin zeigt sich KI-Kompetenz eigentlich, wenn nicht in dem, was wir bislang darunter verstehen und messen?
Leider blieb am Ende von dem Studienvorhaben nichts übrig. Die Veröffentlichung hielt einer kritischen Begutachtung nicht stand. Eine vollständige Studie mit belastbaren Zahlen und nachvollziehbarer Methodik wurde nicht veröffentlicht. Wie genau sie zustande gekommen sind, welche Daten dahinterstehen und wie die Ergebnisse berechnet wurden, lässt sich öffentlich nicht überprüfen.
Die Studie hat uns nicht überzeugt. Die Frage dahinter aber schon.
Denn seit Jahren wird über KI in Gegensätzen gesprochen: Mensch oder Maschine? Besser oder schlechter? Ersetzen oder nicht ersetzen?
Hier setzt die Frage anders an: Das hat die KI gemacht. Wie machen Sie es besser?
Im Arbeitsalltag können wir uns die Versuchsanordnung der Studie selten leisten. Niemand lässt erst die KI allein arbeiten, legt das Ergebnis beiseite und beginnt dann noch einmal von vorn. Die Zeit haben wir oft nicht.
Und ob es die drei Typen, die die Studie beschreibt – Verstärkende, Delegierende, Lernende –, in Reinform gibt, bezweifeln wir ohnehin. Wahrscheinlich sind wir alle drei. Vormittags prüfen wir im eigenen Fach jede Zeile. Drei Stunden später winken wir einen Text durch, von dem wir zu wenig verstehen, um überhaupt zu merken, was fehlt. Ob wir verstärken, delegieren oder danebengreifen, hängt vom Thema ab, vom Zeitdruck, davon, wie viel auf dem Spiel steht, und davon, ob wir überhaupt eine Vorstellung davon haben, wie ein gutes Ergebnis aussehen müsste.
Damit bleibt die Frage, die im Arbeitsalltag am schwersten wiegt: Woher weiß ich, dass meine Version besser ist?
Die Studie hatte ein Bewertungsraster und Fachleute, die benoteten. An unseren Schreibtischen haben wir das nicht.
Unsere These: Der Hebel für gute KI-Ergebnisse steckt nicht in der KI. Er steckt in Ihrer realen Arbeit: In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen. Im Austausch mit Kundinnen und Kunden. In Rückfragen, Widerspruch und Reaktionen auf das, was Sie vorlegen. Dort zeigt sich, ob ein Ergebnis trägt.
Das Chatfenster ist dabei nur ein kurzer Moment. Davor steht eine Frage: Was will ich eigentlich wissen, entscheiden oder erreichen? Und danach kommen neue Fragen: Stimmt das? Passt das zu unserem Fall? Kann ich es erklären? Hält es einer Rückfrage stand? Was übersehe ich? Würde ich dafür Verantwortung übernehmen?
Diese Fragen werden nicht von KI beantwortet. Wir beantworten sie in der Auseinandersetzung mit unserer eigenen Arbeit und mit anderen Menschen.
Genau darin liegt für uns KI-Kompetenz. Nicht darin, ein Tool möglichst geschickt zu bedienen. Sondern darin, beides miteinander zu verbinden: souverän im eigenen Feld zu agieren und dabei souverän mit KI arbeiten zu können.
Wie diese Form von KI-Souveränität in der Praxis entsteht, daran arbeiten wir mit Ihnen: in Workshops, Keynotes, Moderationen und Beratung. Zum Beispiel am 10. und 11.09. zu KI für Führungskräfte in Bielefeld oder im Lehrgang Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung am bifeb.
Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.
51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu und Dase & Carstensen
Den vollständigen Infobrief zu KI für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung finden Sie hier.