Wenn unsere Kunden ihre Lern-App selbst bauen – was bleibt dann noch unsere Aufgabe?
Veröffentlicht am 08.04.2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
Vibe Coding bedeutet, dass Software nicht mehr nur dadurch entsteht, dass jemand programmiert, sondern dadurch, dass man einer KI in normaler Sprache beschreibt, was man haben möchte. Man muss also keinen Code schreiben und keine Programmiersprache können. Stattdessen formuliert man sein Anliegen so, wie man es auch einem Menschen erklären würde: zum Beispiel welche Funktion eine App haben soll, für wen sie gedacht ist oder welches Problem sie lösen soll.
Man kann der KI dafür zusätzlich Material geben, etwa eine PDF, ein Bild, Notizen oder Beispiele. Auf dieser Grundlage erstellt sie dann eine Anwendung, Lernmaterial oder ein digitales Werkzeug, das sich an diesen Vorgaben orientiert.
Möglich ist das in Ansätzen schon seit mindestens zwei Jahren. Wir haben Ihnen seitdem immer auch wieder Beispiele hier veröffentlicht. Doch erst in den vergangenen Monaten hat diese Entwicklung die breite Öffentlichkeit erreicht. Große KI-Modelle, beispielsweise Claude oder Manus, haben Funktionen veröffentlicht, die diese neue Form der Softwareentwicklung sichtbar in den Alltag tragen. Dass hier mehr geschieht als nur ein weiterer Technologieschritt, ließ sich nicht zuletzt auch daran ablesen, dass die börsennotierten Werte großer Softwareanbieter erheblich unter Druck geraten sind. Auf einmal wird spürbar, dass digitale Produkte nicht länger nur von Digital-Expertinnen und -Experten hervorgebracht werden können. Das verändert auch die Erwachsenenbildung.
Wir von 51° Nord nehmen unsere eigene Arbeit, unsere Angebote und unsere Geschäftsfelder davon ausdrücklich nicht aus. Im Gegenteil. In einem Workshopkontext sind wir in den Stresstest gegangen und haben gefragt: Was passiert eigentlich, wenn Kundinnen und Kunden das, was bislang unser Feld war, künftig selbst mit KI umsetzen? Was können sie bereits heute selbst erzeugen? Und an welchen Stellen bleibt unsere Expertise unverzichtbar?
Hier der Prompt, den wir für unser Experiment bei www.claude.ai (Modell Opus 4.6) eingegeben haben:

Undhiergeht es zu unserem - nur leicht nachgesteuertem - Ergebnis: einem Selbstlern-Angebot in die Grundlagen generativer KI.

Es entsteht eine neue Selbstverständlichkeit:
Software wird aussprechbar.
Sascha Lobo hat in seinem hörenswerten Podcast über Vibe Coding sehr klar beschrieben, wie Kulturtechniken der Softwareentwicklung immer wieder Vorboten für Verschiebungen in anderen Arbeitsfeldern waren. Zugleich macht er die Ambivalenz dieser Entwicklung sichtbar: ihren demokratisierenden Impuls ebenso wie ihre Schattenseiten. Gerade deshalb lässt sich Vibe Coding weder euphorisch feiern noch schlicht abwehren. Es markiert eine Verschiebung, deren Folgen so weitreichend wie widersprüchlich sind:
Was bedeutet das konkret für die Erwachsenenbildung? Für IT-Kurse? Aber auch für die Sprache, Gesundheit und politische Bildung? Für ein E-Learning-Portal? Für Lernarchitekturen und Kursangebote? Für die Fortbildung von Dozentinnen und Dozenten? Wie stellt man sich als Organisation, als Verband für die nächsten Jahre auf?
Macht uns das als Erwachsenenbildung überflüssig? Ein klares Nein. Aber dazu mehr in unseren Workshops ;-).
Auf die aktuellen technologischen Entwicklungen gibt es keine schnellen, einfachen oder gar abschließenden Standardantworten. Aber es lohnt sich, bewusst Zeit einzuplanen, um aus dem Alltag herauszugehen und gemeinsam zu testen, was heute schon möglich ist. Nur wer sich diese Zeit nimmt, erkennt, was davon die eigenen Angebote verändert. Wenn Sie das nicht allein machen wollen: Genau dafür sind wir da.
Sprechen Sie uns an. Wir begleiten Sie in diesem Prozess mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.
Christiane Carstensen, David Röthler und Sonya Dase
von Milenu und Dase & Carstensen
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Den vollständigen Infobrief zu KI für Fach- und Führungskräfte in der Erwachsenenbildung finden Sie hier.